| Der Fußball ging weiter |
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Großes Glück hatte man bei der Neugestaltung der Mannschaft, da die Kriegswirren einen Mann nach Biberach verschlagen hatten, der in Fußballkreisen vor und während des Krieges einen sehr guten Namen hatte, Sepp Haslinger aus München. Sein Name stand schon im berühmten Notizbuch von Nationaltrainer Sepp Herberger. Er schloß sich unserem Verein an und war mehrere Jahre lang die herausragende Stütze der Mannschaft. Männer wie Anderl Degant, Paul Mayer und Heinz Scholl waren, neben diesem Ausnahmekönner, die erfahrenen Spieler in der Elf. Dazu kamen junge Leute wie Eugen Hitz, Willi Brandner und Adolf Sailer, die die Farben unseres Vereins vertraten. Leider kann in diesen Jahren kaum von einer Kontinuität innerhalb der Mannschaft gesprochen werden. Vor allem das Personalkarussell war laufend in Bewegung. Immer wieder konnte man Woche für Woche neue Namen in der Aufstellung lesen. Es waren Leute, die nur kurz ihren Wohnsitz in Weißenhorn hatten oder es waren Spieler aus München oder Augsburg, die in höheren Klassen spielten und froh waren, mit Spielen auf dem Lande ihren Lebensmittelbedarf verbessern zu können. Von Verbundenheit zum Verein konnte bei diesen Stars sicherlich nicht gesprochen werden. Dies alles trug natürlich nicht dazu bei, auf längere Zeit eine konstante Leistung zu bringen. So spielte man in den Punktspielen immer gut mit, erzielte auch öfters gute Resultate, aber von Aufstieg oder sonst einem sportlichen Höhepunkt konnte keine Rede sein. Abwechslung und hervorragender Sport wurde den Zuschauern in diesen Jahren durch Spiele gegen sogenannte Prominentenmannschaften geboten. Vereine wie Wacker München, die Altliga des 1. FC Nürnberg, um nur einige zu nennen, gastierten in unserer Stadt. Der Höhepunkt war aber sicher das Gastspiel einer Auswahl von Altinternationalen. Namen wie W. Kress, E. Lehner, L. Goldbrunner oder E. Conen waren ein Begriff für Kenner, denn es waren Weltklassespieler. 6000 Zuschauer kamen zu diesem Spektakel und auch der Vereinskassier konnte seine Freude daran haben. Deutschlands Alt-Nationalelf und unsere Mannschaft an Ostern 1949 St. v.l.n.r. Huber, Goldbrunner, Spaeth, Hornauer, Rösch, Oehm, Stuhlfauth, Hitz, Göttlicher, Auer, Jehle, Kund, Lehner, Kreß, Sailer Kn. v.l.n.r. Stubb, Hofmann, Schmitt, Scholl, Friedel, Konrad, Huber Ludwig, Billmann, Mayer P., Hartmann (Arsenal) Was in jener Zeit und auch in den folgenden Jahren den Verein stehts auszeichnete, war, wie schon gesagt, die Verbundenheit der Mitglieder. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Geselligkeit wurde in der Vereinsfamilie „Groß" geschrieben. Faschingsbälle, Weihnachtsfeiern und viele andere Veranstaltungen waren nicht nur bei den Fußballern gefragt. Es waren auch gesellschaftliche Ereignisse, an denen viele Bürger der Stadt gerne teilnahmen. Ausgangspunkt und Zentrale aller Aktivitäten war dabei in erster Linie das Vereinslokal, der Gasthof zum „Löwen". Im „Wegele", genannt nach den Wirtsleuten Elisabeth und Sylvest Wegele, traf sich in dieser Zeit Alt und Jung. Vor dem Spiel, nach dem Spiel, vor dem Training und nach dem Training. Zur Spielerversammlung, zum Frühschoppen und auch sonst, wenn man Unterhaltung suchte. Dies ergab im Laufe der Jahre eine verschworene Gemeinschaft, aus der für die folgenden Jahre viele Impulse kamen. Deshalb ging es auch, trotz einiger nie ausbleibender Rückschläge, stetig aufwärts. Spielerisch profitierten die Spieler von den verschiedenen Trainern, die im Laufe der Jahre verpflichtet wurden. Leute, wie Walter Schmid, Toni Turek (Torwart der deutschen Weltmeistermannschaft von 1954), Walter Hein, Werner Wieneke und Rudi Glaser, um nur einige zu nennen, trugen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass das technische Können der Aktiven immer weiter verbessert wurde. Spricht man vom Aufschwung des Vereins, darf ein einmaliger, glücklicher Umstand nicht ungenannt bleiben: die Wahl von Josef Rigal im Jahr 1952 zum 1. Vorstand! Als wieder einmal ein Tief überstanden werden mußte und ein neuer Vorstand gebraucht wurde, stieß man auf den bis dahin fast unbekannten Josef Rigal. Von dem Augenblick, als er das Kommando übernahm, begann eine Ära, die der Verein in keiner Zeit vorher erlebt hatte. Geschäftlich und gesellschaftlich unabhängig, geradlinig und unbeirrbar, schlug er einen Weg ein, der zum Erfolg führte. Vor allem verstand er es, Männer um sich zu scharen, die, wie er, bereit waren, unermüdlich für den Verein zu arbeiten. Alois Kropp, Karl Ebner, Max Weber, Paul Mayer, Eugen Hitz, Erich Michallik und Erwin Himper waren neben vielen anderen ein Team, von dem ein Verein heute nur träumen kann. Einen besonderen Stellenwert bekam die Förderung und Schulung der eigenen Jugend. Mit Max Weber und Paul Mayer übernahmen zwei Männer die Jugendabteilung, die bestens zueinander paßten. Mit ihrer Arbeit legten sie, ohne Zweifel, den Grundstein für alle späteren Erfolge. Besonders Paul Mayer als Trainer, verstand es, mit seiner Art fußballerisches Können und Begeisterung den Jugendlichen zu vermitteln. Bald bildeten diese jungen Spieler das Korsett einer Mannschaft, deren sportliche Leistungen in der Geschichte des Vereins wohl einmalig waren. Aber auch der Wille jedes Einzelnen, alles für die Gemeinschaft zu tun, und eine verschworene Kameradschaft, waren die Voraussetzung für die Erfolge auf dem Spielfeld. Es war deshalb keine Überraschung, dass in einem imponierenden Siegeszug, in der Saison 1957/58 die A-Klassenmeisterschaft gewonnen wurde, und man in die 2. Amateurliga aufstieg. 50:6 Punkte und 101:29 Tore wies die Schlußtabelle für die Mannschaft, um den überragenden Spielertrainer Stefan Andrasch, aus. Damit zeigte sie deutlich die große Überlegenheit gegenüber den anderen Vereinen. Meistermannschaft im Mai 1958 St. v.l.n.r. Himper, Seidler, Huber, Mader, Andrasch, Schmid, Gruber, Schnitzler, Maier, Podhorny, Jahn, Rigal Kn. v.l.n.r. Frasch, Ritter, Stifka, Hitz, Seitz Dass Fußball die schönste Nebensache der Welt sein kann, bewies, dass im entscheidenden Spiel gegen die Kickers aus Vöhringen, eine Kulisse von 2500 Zuschauern das Spielfeld umsäumte. Heute werden es viele nicht verstehen, und vor allem die Jugend nicht, der ein überaus reichliches Freizeitangebot zur Verfügung steht, mit welcher Begeisterung fast alle im Städtchen an derartigen Ereignissen teilnahmen. Kampfszene aus dem Schlagerspiel FVW - Kickers Vöhringen 3 : 1 am 20.04.1958 ![]() Georg Gruber beim Kopfball, hinten lauernd, Ludwig Huber Mit dem Aufstieg in die 2. Amateurliga Nord-Württemberg war es natürlich jedem im Verein klar, dass in Zukunft völlig neue und unbekannte Vereine ihre Visitenkarte hier in Weißenhorn abgeben werden. So wurde bei aller Begeisterung innerhalb der Vorstandschaft genau kalkuliert, ob man sich finanziell überhaupt dieses Abenteuer mit den weiten Fahrten leisten kann. Erst nach einigen Diskussionen kam man überein, der sportlichen Perspektive den Vorrang zu geben. Vor allem deswegen, weil einige meinten, in einem Jahr ist sowieso alles vorbei. Doch es kam anders. Mit einer Begeisterung ohne Gleichen, konnten die bisher gezeigten Leistungen nochmals gesteigert werden. Dazu kamen einige sinnvolle Verstärkungen, die vor allem menschlich in die bestehende Gemeinschaft paßten. Als man am Ende der ersten Saison überraschend mit einem Punktestand von 24:24 Punkten genau in der Mitte der Tabelle stand, wußte jeder, dass man auf dem richtigen Wege war. Dies löste auch bei den Fans eine Welle der Begeisterung aus, die heute unvorstellbar ist. Zu den Auswärtsspielen reichten meistens drei Busse nicht aus, um alle, die dabei sein wollten, mitnehmen zu können. Dazu kamen etliche Fahrgemeinschaften mit PKW`s und Motorräder, die die Spieler begleiteten. Durch die große Zahl der Anhänger war man natürlich auch auf fremden Plätzen eine Macht. Durch dieses Phänomen ging das Fußballthermometer noch weiter nach oben, und den Spielern wurde enorm ihr Bewußtsein gestärkt. Dazu kam im zweiten Jahr der Amateurligazeit die zunehmende Erfahrung, und was keiner zu hoffen gewagt hatte trat ein, unsere Mannschaft wurde Vizemeister in ihrer Liga. Dies bedeutete die Teilnahme an einem Entscheidungsspiel um den Aufstieg zur 1. Amateurliga. Auf neutralem Platz in Geislingen verlor man dann gegen den FV Zuffenhausen, trotz gleichwertigem Spiel mit 0:3. Entscheidend war wohl, dass der bis dahin überragende Mittelläufer Hubert Ritter der Mannschaft an diesem Tag fehlte. Für viele Anhänger war dieses Manko auf jeden Fall mit der Grund, dass der Aufstieg in die höchste Amateurklasse verpaßt wurde. Die damalige Amateurligamannschaft im Jahr 1960 St. v.l.n.r. Seitz F., Frasch M., Vogel W., Andrasch St., Schmid W., Ritter H., Kerler E., Huber L. Kn. v.l.n.r. Ritter P., Schmid F., Hitz E. Die Tatsache, dass neben den großen Erfolgen der „Ersten", die zweite Mannschaft in der parallel laufenden Runde der Reservemannschaften den 1. Platz belegte, untermauerte, auf welch breiter Basis von vielen fast gleichwertigen Spielern der Verein zurückgreifen konnte. Diese sportlichen Fakten auf dem grünen Rasen, und dass im gleichen Jahr das neue Stadion an der Memminger Straße eingeweiht werden konnte, war wohl ein einmaliger Glücksfall in der Vereinsgeschichte. Erfolge und Höchstleistungen lassen sich jedoch nicht auf ewiger Zeit programmieren und konservieren. Sie unterliegen dem Wandel der Zeit. Dies mußte, nach sechsjähriger Zugehörigkeit zur 2. Amateurliga, auch unsere Mannschaft erfahren. Vielleicht war es auch auf den Umstand zurückzuführen, dass bei aller Euphorie, die bewährte Jugendarbeit vernachlässigt wurde, oder war es das etappenweise Abtreten der alten Garde, das den bitteren Abstieg in die A-Klasse brachte. |




